Echo im Spielzimmer - ...
... acht Banner, die leise sprechen und lange nachhallen. Wenn ein Elternteil inhaftiert wird, verändert sich für ein Kind oft alles: der Alltag, die Sicherheit, das Vertrauen in die Welt. Während über Haftbedingungen, Resozialisierung oder Sicherheit viel gesprochen wird, geraten jene, die am wenigsten dafür können, schnell aus dem Blick. Ihre Fragen, ihre Unsicherheiten, ihre Hoffnungen – sie verschwinden im Hintergrund. Die Ausstellung Echo im Spielzimmer setzt genau hier an. Sie macht sichtbar, was sonst verborgen bleibt und verleiht den Kindern eine Stimme, die selten gehört wird.
Am 4. Juni 2026, dem zehnten Gründungstag des Vereins Die Flamme der Hoffnung – The Flame Of Hope e.V., wurde die Ausstellung im Rahmen des Frühlingsfestes für Kinder von Inhaftierten in der Berliner Justizvollzugsanstalt Plötzensee eröffnet. Zwischen Spiel, Musik und Begegnungen entstand ein Raum, in dem Leichtigkeit und Ernst nebeneinanderstehen durften. Botschafter Leo‑Licht war an diesem Tag zu Gast, zauberte Kindern und Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht und besuchte selbstverständlich auch „seine“ Ausstellung – ein stilles Zeichen dafür, wie sehr ihm die Lebenswelt dieser Kinder am Herzen liegt.
Konzipiert wurde die Ausstellung von den Gefängnisseelsorgern Martina Stamm und A. Engelbert Petsch, beide seit vielen Jahren im familiensensiblen Vollzug engagiert und im Vorstand des Vereins tätig. Ihre berufliche Erfahrung und ihr ehrenamtliches Engagement, das 2024 mit dem Ehrenamtspreis der Justiz Mecklenburg‑Vorpommern gewürdigt wurde, bilden das Fundament dieser Ausstellung. Erste Impulse entstanden in der JVA Bützow, wo sie früh erlebten, wie sehr Kinder unter der Inhaftierung eines Elternteils leiden und wie wenig Raum es gibt, darüber zu sprechen. Seit einiger Zeit begleitet der Verein auch den familiensensiblen Vollzug in der JVA Plötzensee – beide Erfahrungswelten flossen unmittelbar in die Gestaltung ein.
Die Ausstellung besteht aus acht X‑Bannern, jedes mit einem klaren, bewusst reduzierten Statement. Keine langen Erklärungen, keine Überfrachtung – stattdessen Worte, die treffen und nachhallen. Sie sprechen von Unsichtbarkeit und Scham, von Bindung trotz Mauern, von Stärke, die Kinder entwickeln müssen, von Unterstützung, die ihnen Halt gibt und von Hoffnung, die sie trotz allem tragen. Die Banner wollen nicht belehren. Sie öffnen einen Raum, in dem man sich selbst und die eigene Haltung hinterfragen kann, ohne sich bedrängt zu fühlen. Der Titel "Echo im Spielzimmer" ist bewusst gewählt. Ein Echo entsteht nur, wenn etwas gehört wird. Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem die Stimmen der Kinder nicht übertönt werden, sondern nachhallen dürfen. Die klaren Sätze wirken wie Resonanzpunkte: Sie öffnen, ohne zu überfordern. Sie berühren, ohne zu dramatisieren. Sie sensibilisieren, ohne zu beschweren.
Bis Mitte Juli wird die Ausstellung an verschiedenen Standorten innerhalb der JVA Plötzensee zu sehen sein. Sie ist mobil konzipiert und kann auf Anfrage auch an andere Justizvollzugsanstalten ausgeliehen werden – ein Angebot für Mitarbeitende, Fachkräfte, Ehrenamtliche und alle, die sich mit den Lebensrealitäten von Kindern inhaftierter Eltern auseinandersetzen möchten. So wirkt Echo im Spielzimmer weit über einen einzelnen Ort hinaus und findet überall dort Platz, wo Menschen bereit sind, hinzuhören. Kinder von Inhaftierten sind keine Randnotiz. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Sie brauchen Menschen, die ihre Realität sehen und ernst nehmen. Echo im Spielzimmer gibt ihnen etwas zurück, das ihnen oft fehlt: Aufmerksamkeit, Respekt und einen Raum, in dem ihre Erfahrungen Gewicht haben.
